26 September 2006

Wie der Osterhase auf den Weihnachtsbaum kam

Ostern stand mal wieder vor der Tür und verlangte heftig Einlass.
Also blieb dem grossen braunen Hasen nichts anderes übrig als zum hundertsten Male die lächerliche bunte Schleife um den Hals zu knoten und diese alberne grüne Kiepe zu schultern, sich auf den Weg zum Bauernhof im Wurzelwald zu machen und dort den Hühner die letzten Eier unterm Hintern wegzuklauen - so denn der Fuchs nicht schon schneller gewesen war als er.
Auf dem Hof angekommen musste er feststellen, dass nicht ein einziges Ei zu finden war. Die Hühner gackerten vor lauter Aufregung wild durcheinander und der verwirrte alte Hofgockel krähte immer wieder etwas, das sich wie "Weihnachtsork - verrückt geworden" anhörte.
Der Hase schlackerte mit seinen langen Ohren, knuffte sich im Gemüsebeet noch eine saftige Möhre zwischen die Zähne und trollte sich dann Richtung Nordpol, wo - wie er gottlob wusste - der Weihnachtsork in einer alten Holzhütte lebte, zusammen mit seinen Schlittenwölfen und einem dunklen Geheimnis im eisigen Keller.
Ganz wohl war unserem Hasen nicht auf diesem Weg - verständlich, wenn man bedenkt, dass in dieser unseren Welt Hasen zu Braten verarbeitet und kleine Zwergfalken ihrer Brüstchen beraubt werden, Seepferdchen in Pfannen landen und es Hunden nicht viel besser ergeht.
Endlich und nach mühseligem Gehopse durch Tiefschnee und Schlittereien über Glatteis stand der grosse braune Hase vor der Hütte des Weihnachtsorks und klopfte mit irgendwie bangem Herzen an der Tür.
"Herrrrein, wenn es kein Elb ist!" dröhnte es ihm von innen entgegen.
Der Hase trat ein, nahm allen Mut zusammen und schrie den Weihnachtsork an: "Hast Du alter Mann meine Eier geklaut und wenn, warum? Es ist bald Ostern und Du hast noch mindestens ein halbes Jahr Urlaub!"
Der Weihnachtsork - eh schon in mieser Laune - schnaubte laut, wurde dann schlagartig grün im Gesicht und kippte vom Stuhl.
"Was? Ich hab noch frei? FREI? WIRKLICH FREI?!?!?"
"Ja," maulte der Hase, "Du bist noch gar nicht dran."
Der Weihnachtsork rappelte sich auf, rannte wie ein Verrückter durch die Wohnstube, immer im Kreis um den Weihnachtsbaum herum und schrie: "Da soll man nicht durchdrehen, wenn einem die Wölfe ständig die Lederriemen zerfressen, jeden Tag mindest 10 Deppen durch mein Haus rennen und nach einem Geschenkpaket suchen, dabei mein Bett zerwühlen und sogar nicht davor zurückschrecken unterm Bett herumzuschnüffeln, dann meinen Glühwein wegsaufen, die letzten Plätzchen auffressen und dann auch noch auf dem DACHBODEN rumtrampeln, am Ende sogar meine Klamotten haben wollen und was das Schlimmste ist, MEINEN TOLLEN SCHLITTEN! Und wenn ich sehe, wie liederlich diese Bande meinen schönen Weihnachtsbaum schmückt, dabei immer die Häflte der teuren Kugeln zerdeppert, dann könnte ich nur noch TOBEN!!!"
Der Hase war jetzt auch ziemlich entnervt und brüllte den Weihnachtsork an
"Jetzt rück endlich die verdammten Eier raus und lass mich meinen Job machen und steck Dir Deinen blöden Weihnachtsbaum doch in den Ar... ."
Der Weihnachtsork liess sich das nicht zweimal sagen, schnappte den Hasen und steckte ihn "schwups" auf die Spitze seines Weihnachtsbaumes.
So kam der Weihnachtsbaum zu seiner Spitze und nur wir denken, es handele sich dabei um einen Engel.

Und die Moral von der Geschicht: heuer gibts keine Eier nicht.