Die kleine Prinzessin Cäcilie
Es war einmal ein Mädchen, das hieß Cäcilie und lebte zusammen mit seinen Eltern in einem kleinen Haus in der Nähe eines Froschteichs, der inmitten blühender Wiesen lag und ein wenig verwunschen aussah. Selten saßen die Eltern auf der kleinen Bank am Teich, und so hatte Cäcilie diesen beschaulichen Platz meist für sich allein. Sie saß gern dort und schaute dem Spiel des Windes auf dem Wasser zu, bewunderte den Tanz der bunt schillernden Libellen in der flirrenden Sommerluft und glaubte manchmal, ein Augenpaar im Schilf am Ufer zu erkennen. So lebte Cäcilie glücklich und unbeschwert.
Eines Tages jedoch wurde die Mutter krank und starb.
Der Vater, der nicht wirklich ein guter Mensch war, plagte fortan sein Kind und machte aus ihm eine Art Arbeitssklavin.
Selten noch fand Cäcilie Zeit für Mußestunden am Froschteich, und wenn sie dann auf der Bank saß, dann schlief sie fast immer schnell ein vor lauter Erschöpfung.
Als der Winter ins Land zog, es bitterkalt wurde und Cäcilie in den Schränken und Truhen der Mutter nach deren warmem Pelzmantel schaute, stellte sie voll Entsetzen fest, dass er vollkommen verdorben war, weil ihn jemand gewaschen und im nassen Zustand einfach wieder zurückgehängt und sich selbst überlassen hatte.
Auch die feinen Wollschals, die Pullover und mancherlei andere Sachen waren nicht mehr brauchbar, und Cäcilie weinte bittere Tränen.
Was würde die Mutter nur sagen, wenn sie das sehen könnte...
Es stellte sich heraus, dass der Vater von einem bösen Waschteufel besessen war, und dieser Teufel gewann immer mehr die Oberhand im Kopf des alten Mannes.
So wurde jeden Tag das ganze Haus von unten bis oben nassgemacht - und verwandelte sich im Laufe des Winters in einen richtigen Eispalast.
Die Kinder, die ab und zu die kleine Cäcilie besuchen kamen, um auf den tief verschneiten Wiesen lustige Schneeballschlachten zu veranstalten, lachten und lästerten über das vereiste Haus und machten sich einen Spaß daraus, die langen Eiszapfen, die von den Erkern und Dachrinnen herabhingen, abzubrechen und damit nach Cäcilie zu werfen.
Traurig verbrachte das kleine Mädchen die Tage im Haus, traute sich nicht mehr hinaus und wurde immer einsamer und scheuer. In der Dunkelheit jedoch, wenn die anderen Kinder daheim im Warmen in den Stuben saßen und den Eltern von den Abenteuern des Tages berichteten, schlich die kleine Cäcilie hinaus in die Nacht und lief durch den hohen Schnee zum verwunschenen Teich. Dort kauerte sie dann an der Bank und weinte bitterliche Tränen, klagte dem Schneegestöber ihr Herzeleid und trauerte um die liebe Mutter.
Manchmal war ihr, als ob ein leiser und warmer Hauch über ihre in der kalten Luft erstarrten Wangen wehte, und dann meinte sie in der Tiefe des Teiches ein Augenpaar aufleuchten zu sehen. Das alles verschaffte dem kleinen Mädchen Linderung und auch ein wenig Trost.
Der Vater jedoch sah den Kummer seines Kindes nicht und wurde immer mehr ein Opfer des bösen Waschteufels.
Als die Tage endlich länger wurden und zaghaft der Frühling ins Land einziehen wollte, lief Cäcilie wieder einmal zum Teich hinaus.
Doch was war das? Lag da nicht etwas im hohen Gras? Cäcilie bückte sich und fand eine kleine rote Kugel. Sie freute sich über das neue Spielzeug und warf es hoch in die Luft, um die Kugel sogleich wieder aufzufangen.
Wie sie so am Ufer spielte, fiel das runde Ding plötzlich mit einem lauten Klatscher in den Teich und versank.
Bekümmert schaute Cäcilie auf die Wasserkreise über der Stelle, an der ihr Spielzeug verschwunden war.
Plötzlich tauchte aus dem Teich ein großer Frosch auf und hatte im Maul die Kugel. Aber oh Wunder, oh Mirakulum: sie war ganz aus Gold!
Der Frosch quakte: "Wenn du mich küsst, dann bekommst du deine Kugel zurück. Und ich mache dich zur Froschprinzessin und außerdem hast du einen Wunsch frei. Denn mich haben deine Tränen gerührt, die du hier am Teich vergossen hast."
Die kleine Cäcilie überlegte kurz, nickte dann und flüsterte dem Frosch einen Wunsch zu. Der stutzte einen Moment, grinste dann aber, so gut ein Frosch eben grinsen kann und nickte als Zeichen dafür, daß der Wunsch erfüllt sei. Da küßte Cäcilie beherzt den grünen Prinzen, worauf dieser einen gar verzückten Quaker von sich gab. Augenblicklich schrumpfte das Mädchen zusammen und als es sein Spiegelbild im Teich suchte, schaute ihm ein kleiner erstaunter Frosch entgegen. Der Froschprinz setzte ihr eine zierliche Krone auf und gab ihr die goldene Kugel zurück.
Von da an lebte die kleine Cäcilie als Froschprinzessin glücklich und zufrieden an der Seite ihres Prinzen.
Was?
Ihr wollt wissen, was sich Cäcilie gewünscht hat???
Nun... ein paar Jahre später, als der Vater gestorben war, landete dieser im Fegefeuer und an geraden Tagen war dort immer Badetag.
Und dann hörte man 50 kleine Nerze schreien: "Einmal Sintflut für den Herrn in Wanne 12!!!" - und es ergoss sich eine wahre Sintflut eisigen Wassers in die Wanne mit der Nummer 12....
An ungeraden Tagen jedoch leistete der böse Vater ein Praktikum als Türklinke im Haus eines Mannes mit Waschzwang ab...
DAS war der unbescheidene Wunsch der kleinen Cäcilie gewesen...


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