Olesand und Arbada
Vor hunderten von Jahren lebte in einem fernen Land am Nordmeer ein Mann, der ward Olesand geheißen.
Die Menschen in seinem Dorf achteten ihn sehr, da er ein tapferer und starker Krieger war, umsichtig in seinem Tun und weise in seinem Rat.
Er hatte nicht nur eine schöne Seele, er war auch ein stattlicher und wohlgestalter Mann und so liebten ihn die Frauen sehr.
Olesand liebte wohl auch die Frauen, aber in all den Jahren seines Erdendaseins hatte er nicht eine einzige gefunden, die ihn zu halten vermochte und nicht einmal er selbst konnte seiner Sehnsucht einen Namen geben, wußte nicht, wo er den Ort finden sollte, zu dem es ihn nächtens in seinen Träumen hinzog, aber nie konnte er, wenn er aufwachte, den feinen Duft von Trollblumen vergessen...
Eines Tages begab sich Olesand in seinem Drachenboot auf eine weite Fahrt über die Meere.
Nach harten und entbehrungsreichen Tagen auf See landete er an einem fernen Gestade an, das ihm, kaum hatte er einen Fuß an Land gesetzt, seltsam vertraut vorkam.
Sanft geschwungene Hügelketten zogen sich in der Ferne hin, das frische Grün der Birken und Buchen erfreute sein Auge und das helle Zwitschern der Vögel stimmte ihn auf wundersame Weise froh.
Ein vorwitziger Sonnenstrahl lockte ihn auf eine kleine Lichtung im Wald und dort erblickte Olesand eine Frau, die auf einem Moospolster saß und einen Kranz aus goldgelben Sonnensternen und Trollblumen wand.
Mit leiser Stimme sang sie dazu ein kleines Lied:
"Herum, herum! Und wieder herum.
Das Glück ist rund, die Welt ist dumm..
Das runde Glück muß rollen,
die dumme Welt soll schmollen.
Nun rolle, Glück, und schmoll, du Welt.
Ob der Wandel euch gefällt?"
Olesand stand und staunte, konnte sich schier nicht sattsehen an diesem Bild und lauschte verzückt der sanften Stimme.
Und in seinem Herzen regte sich ein Gefühl, daß er so noch niemals zuvor verspürt hatte.
Der vorwitzige Sonnenstrahl aber kitzelte in seiner Nase und so mußte Olesand plötzlich laut niesen.
Die Frau hob erschrocken den Kopf, erblickte den Fremden am Lichtungsrand, erhob sich und schritt ihm entgegen.
Wie sie Olesand anschaute, versank dieser in ihren dunklen Augen, die tief wie Bergseen zu sein schienen. Sie reichte ihm lächelnd den duftenden Blütenkranz und Olesands Herz tat einen Freudensprung: Der liebliche Duft der Trollblumen aus seinen Sehnsuchtsträumen umwehte ihn und sagte ihm, daß er angekommen sei!
Er reichte ihr seine Hand, geleitete sie auf sein Schiff und führte sie heim in sein Dorf, wo sie glücklich lebten bis ans Ende ihrer Tage.
Arbada aber, so war der Name dieser Frau, vergaß niemals, daß es die Trollblume war, die ihr diesen Mann und das Glück beschert hatte und so prangten im winzigen Garten um das Haus herum abertausende dieser lieblichen kleinen Blumen, hüllten es ein in ein duftendes Meer aus silbernen Sternen und machten jeden Menschen, der Arbada und Olesand besuchte, glücklich und heiter.


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